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Alles Fleisch – Berliner Compagnie in Bad Waldsee

Posted in Arbeitsgemeinschaft Eine Welt e.V., and Archiv 2021

Die Berliner Compagnie gastiert am 16. September 2021 mit ihrem brandaktuellen Stück „Alles Fleisch“

Bereits zum fünften Mal werden die Theatermacher der Berliner Compagnie in Bad Waldsee zu Gast sein. Nach ihren erfolgreichen Auftritten stehen sie nun am 16. September 2021 mit dem brandaktuellen Stück „Alles Fleisch“ auf einer der Bad Waldseer Bühnen.

der Chef

Mehr Informationen zu Vorkauf, zum Spielort und zur genauen Uhrzeit demnächst hier.

Die Berliner Compagnie stellt ihre Produktion vor:

Inszenieren, proben, aufführen in Zeiten von Corona, geht das? Wir wagen es, weil das Stück brandaktuell ist. Es geht um Massentierhaltung.

Innerhalb der Familie Schwarte prallen die Widersprüche aufeinander. Da ist zum einen Philipp, der Chef eines Fleischkonzerns, zum anderen sein Bruder, der Amtstierarzt, der zwischen allen Stühlen sitzt. Dessen Frau Marianne engagiert sich sich im Weltladen für den globalen Süden, die gemeinsame Tochter Lisa ist eine glühende Tierrechtlerin. Ihre Freundin Hanna, eine Linke, prangert die Arbeitsverhältnisse im Schwarte-Konzern an und versucht, sich in der Lokalzeitung der kleinen Stadt zu behaupten.

Welche Interessen, welche Verstrickung und Vorteilsnahme stehen einer Änderung dieser Verhältnisse entgegen? Im Mikrokosmos einer deutschen Kleinstadt geht unser Stück dieser Frage nach.

Mit Blick auf die Hygieneregeln inszeniert, ist das Stück nicht nur ästhetisch ein spannendes Unterfangen. Es stellt unbequeme Fragen. Wie wirkt sich die Massentierhaltung aus? Auf den globalen Süden, auf unsere Umwelt ? Was tun wir den Tieren an und letztlich: Was kommt bei uns auf den Tisch?

Der Philosoph Max Horkheimer hat unsere Gesellschaft mit einem Wolkenkratzer verglichen: Ganz oben die Eigentümer, die Finanzindustrie, die sich bekämpfenden Manager, darunter die politischen, militärischen und akademischen Eliten, gefolgt von Handwerkern, Proletariern und Kranken. Darunter das koloniale Massenelend, das alle Begriffe übersteigt, bis der Keller des Wolkenkratzers erreicht wird: »Unterhalb der Räume, in denen millionenweise die Kulis der Erde krepieren, wäre dann das unbeschreibliche, unausdenkliche Leiden der Tiere, die Tierhölle.“

die Tierrechtler

Der politische Hintergrund

Über 40 % der jährlichen Weltgetreideernte, 90 % der weltweiten Sojaernte und 40% der weltweit gefangenen Fische werden an Nutztiere verfüttert, von denen jährlich ca. 40 Milliarden geschlachtet werden. Unmengen von Getreide und Soja landen in den Futtertrögen eingepferchter Tiere statt auf den Tellern hungriger Menschen. Die globale Nutztierhaltung führt zu einem immensen Land- und Wasserverbrauch, für Weiden und für Futtermittel. …

Der Amazonas wird abgeholzt, ein Drittel der globalen Ackerfläche ist degradiert; Indigene und Kleinbauern in Lateinamerika, Asien oder Afrika fliehen vor den Bulldozern und Killern in die Slums der Großstädte. Die globale Nachfrage nach Futtermitteln treibt die Preise auf den Agrarmärkten in die Höhe, ca. 3,5 Mio Menschen, sterben jährlich an den Folgen von Wasserverschmutzung und Wasserverknappung. Andere Kleinbauern im Süden werden durch Fleischexporte aus den Industrieländern geschädigt. Und das alles, damit wir in den reichen Industrieländern mehr Fleisch essen können – Ausdruck einer imperialen Lebensweise des Nordens auf Kosten des Südens.

Deutschland ist längst ein großer Fleischexporteur. Ca. 800 Mio Landwirbeltiere werden allein in Deutschland jährlich für die Fleischproduktion getötet. Getötet vor allem durch Menschen aus Osteuropa, deren wirtschaftliche Lage sie dazu zwingt, eine Arbeit anzunehmen, für die sie einen Minimallohn erhalten, die ihre eigene Gesundheit gefährdet und ihre Psyche extrem belastet.

Nicht zuletzt soll an die Qualen der Tiere in der heutigen Massentierhaltung und -schlachtung erinnert werden. Die industrielle Verwertung der Tiere folgt derselben Logik, die den alljährlichen Hungertod von Millionen Menschen ermöglicht – in einer Welt, in der genug Nahrung da ist und kein einziger Mensch mehr hungers sterben bräuchte. Wenn Papst Franziskus sagt: „Diese Wirtschaft tötet“, dann gilt das für all diese Opfer unseres Wirtschaftssystems. Der Philosoph Max Horkheimer hat unsere Gesellschaft mit einem Wolkenkratzer verglichen: Ganz oben die Eigentümer, die Finanzindustrie, die sich bekämpfenden Manager, darunter die politischen, militärischen und akademischen Eliten, gefolgt von Handwerkern, Proletariern und Kranken. Darunter das koloniale Massenelend, das alle Begriffe übersteigt, bis der Keller des Wolkenkratzers erreicht wird: »Unterhalb der Räume, in denen millionenweise die Kulis der Erde krepieren, wäre dann das unbeschreibliche, unausdenkliche Leiden der Tiere, die Tierhölle.“

Alle Bilder stammen von der Berliner Compagnie
die Schlachter
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